Montag, 16. September 2013

Tour de France 2013

Es gibt ja Dinge, die muss man einfach mal machen, zum Beispiel mit dem Motorrad nach Frankreich fahren :-)

Es ist schon komisch, aber es ist wirklich sehr, sehr lange her dass ich solche glücklichen Momente hatte wie in dieser Woche. Es war einfach eine perfekte Woche.

Nach 8 Stunden Fahrt mit den Maschinen auf dem Hänger sind wir gut in unserem Zielhotel "du Bois" in Les Houches angekommen. Wir haben das Zimmer bezogen und die Motorräder vom Hänger gerollt. Es war übrigens ein perfekter Hänger mit diesen Wippen, Moped drauf, rein in die Wippe und es steht. Für die Fahrt wird es natürlich verzurrt, aber das laden / entladen geht wirklich einfach von der Hand.
Nach ein paar Bier haben wir uns schlafen gelegt, eingeschlummert, durchgeschlafen und am Tag 1 unserer Tour war ich einfach ausgeschlafen und fit, der perfekte Anfang.

Tag 1.

Schon nach wenigen Metern hinter Les Houches ging es auf eine Schnellstraße, richtig toll kurvig so dass wir mit ordentlich schmackes die Reifen bis auf die Kante schön warm fahren konnten. Kurz nach diesem schnellen Stück ging es dann in die Berge, hoch hinauf auf einige hunderte Meter.

Der erste Anlaufpunkt am ersten Tag war der Lac de Roselend, 1968 Meter weit oben. Dort haben wir auch die erste Pause eingelegt und die tolle Aussicht auf die Berge und den See genossen.
Bei Bourg-Saint-Maurice haben wir einen kleinen Abstecher gemacht, es ging ein paar Serpentinen hinauf in Richtung St. Bernhard, und dann einfach wieder runter. Viele schöne Kurven bei perfektem Asphalt, so was sollte jeder vor seiner Haustüre haben :-)

Hinter Val-d'Isère ging es dann hoch, den Col de L'Iseran, gepflegte 2770 Meter. Es ist schon krass da oben, tolle Aussicht, tolle Luft. Wie jeder Tourie haben auch wir uns vor die "Meilensteine" gestellt, das gehört einfach dazu. Es ist gar nicht so einfach da ein Foto zu machen, gut das die Japaner nicht hier sind ;-)

Der zweite Abstecher ging zum Lac du Mont Cenis, eine wirkliche Empfehlung! Ein einfach geiler See, super Aussicht, Erholung pur, muss man einfach mitnehmen wenn man mal in der Nähe ist.

Den Abschluss des Tages bildete der Col du Telegraphe, mit 1566 Metern nicht ganz so hoch, aber fahrerisch toll und landschaftlich schön. Es ist auch einer dieser Tour de France etappen und man staunt nicht schlecht welche Steigungen die Radfahrer da so auf sich nehmen, mein lieber Scholli, aber ohne Doping würde ich da auch nicht raufradeln...
Oben am Col du Telegraph war die Landschaft noch mit vielen Tieren aus Stroh gebunden verschönert. Den Hintergrund kenne ich nicht, es sah aber schon toll aus muss ich so sagen, besser als die Strohballen hierzulande...



Der erste Tag endete also mit zwei extra Abstechern am späten Nachmittag in Valoire im Hotel Christiania, dort bekamen wir ein tolles Zimmer und nebenan eine Pizza. Noch ein paar Bierchen und der Tag war gegessen. Das Wetter hat voll mitgespielt, besser hätte es nicht kommen können.

Tag 2.

Der Wecker ging um halb acht, spätestens um neun wollten wir wieder weiter. Der zweite Tag begann mit dem Col du Galibier der seinen höchsten Punkt bei 2642 Metern hat. Immer mal wieder haben wir Pausen eingelegt, wir waren ja auf einer Tour, nicht auf einem Rennen. In der Sonne sitzen, Café Noir oder Apfelschorle genießen, das war es, die völlige Entspannung.

Kurz nach einem Besuch in einer der Schutzhütten Napoleons auf dem Col du Izuard (2360 m) sind wir quasi geblitzt worden.... da saß einer im Dreck und hat uns einfach mal so fotografiert. Es hat sich herausgestellt dass es ein Profi ist und er seine Bilder per Internet zum Verkauf anbietet. Geil sag ich da, so gibt es jetzt ein wirklich tolles Fahrerfoto von mir und meiner Roten.
Der Absolute "Höhepunkt" der Tour war dann der Col du Bonette, mit 2802 Metern der höchste befahrbare Pass in der Gegend. Eine skurrile Landschaft tut sich auf, man kann es eigentlich kaum beschreiben, man muss es selbst gesehen haben.
Auch die Fotos vermitteln nicht ganz das was man vor Ort erlebt. Einfach nur noch geil. Nach der Abfahrt vom le Bonette sind wir dann in einem kleinen Feinschmeckerrestaurant gelandet, einen leckeren Salat mit Ente hat es gegeben, wunderbar!

Wenn man dann so durch die Gegend schaut und weit und breit ist nicht ein bisschen Zivilisation zu sehen dann ist das irgendwie schon komisch, vielleicht weil ich immer in Ballungsgebieten gelebt habe. Hier ist schlicht weg nichts, aber auch gar nichts. Aber: Damit die Schneehasen nicht meckern....   Handyempfang hat man eigentlich überall... auch ein bisschen komisch.

Am Nachmittag hatten wir dann zunächst noch ein problemchen mit der Hotelsuche, wir haben dann aber doch noch ein wunderbares Hotel in Roquebillière gefunden, mit Pool im Rosengarten und genau den haben wir nach einem tollen Ritt durch die Berge dann auch noch zum Relaxen genutzt. Nach einem leckeren Essen im Hôtel Saint-Sebastien ging es dann wie gewohnt zu Bett, Tag 3 stand ja quasi schon fast vor der Tür.

Tag 3.

Der Pool hatte leider noch geschlossen, und so wurde leider nichts aus der Idee, den Tag mit ein paar Schwimmübungen zu beginnen. Na gut, macht auch nichts, dann kommen wir eben doch früher als geplant auf den Bock und mehr Zeit für die eine oder andere Pause.

Die Fahrt ging dann über einen herrlichen Pass in Richtung Col de Turini, von dem hatten wir viel gehört und das ganze ließ sich auch bestens fahren. Die Nordrampe war gut, oben auf dem Turini war auch alles schön, aber die Südrampe, ja die ging bei mir gar nicht. Schlechte Straße, die Sonne "blizte" ständig durch die Bäume, das lag mir überhaupt nicht. Aber es war jetzt auch nicht so schlimm dass es mir die Laune verhagelt hätte, nein, solche Bedingungen gehören eben auch mal dazu.

Abgehakt, denn nach dem Col du Turini ist vor Monaco.... also auf geht es nach Menton, die erste Stadt die man erreicht wenn man aus dem Gebirge an die Côte d'Azur kommt. Dort haben wir uns natürlich erst mal bei gepflegten 30° eine kalte Cola gegönnt, und ein Espresso oder so. Direkt am Strand haben wir das Mittelmeer genossen, der Strand ist allerdings mit seinem groben Kies nichts für den Urlaub....

Nach der "inneren" Abkühlung ging es dann weiter nach Monaco, ich war ja schon gespannt auf den Flair der kleinen, reichen Stadt und ich muss sagen.... alles ganz normal. Wenn man da an einem ganz normalen Tag reinfährt, dann ist das auch nichts besonderes. Es ist schön direkt auf das Casino zuzufahren, aber ansonsten steht mal halt auch wie überall im Smog an den Ampeln und wartet darauf weiter zu fahren.

Ein kleines Schmankerl für mich war die Fahrt auf Teilen der Formel 1 Strecke, so sind wir die Haarnadelkurve am Grand Hotel mit anschließender Durchfahrt durch den Schwimmbadtunnel und Hafenbecken gefahren. Nur am Grand Hotel sind die Curbs dauerhaft zu sehen, der Rest ist wieder ganz normaler Verkehr. Aber witzig ist das schon irgendwie. Uns hat es als Biker aber dann doch nicht allzu lange in der Stadt gehalten, wir wollten ja eigentlich Motorrad fahren und nicht im Stau stehen oder in Lederklamotten durch die Gegend laufen.

Also rauf auf den Bock, es geht nach Nizza. Dort war erwartungsgemäß der Verkehr auch nicht besser, aber so habe ich wenigstens mal die Strandpromenade von Nizza gesehen, wenn man schon mal in der Nähe ist... Angehalten haben wir hier nicht, es war zu warm und wir wollten ja wieder in die Berge und Schluchten. Im Stau stehe ich ja jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit, das muss ich im Motorradurlaub dann nicht auch noch haben. Um de Chaos schnell zu entkommen haben wir uns für die "Route de Grenoble" entschieden, diese führt schnell und unspektakulär aus dem Süden raus.

Irgendwann ging es dann wieder auf der "Route des Alpes" in Richtung Westen, dann durch wirklich geniale Schluchten in Richtung Valberg. Am schönsten gefiel mir diese rote Schlucht, einfach mal ein Felsenbild was sich nicht grau in grau präsentiert, schön fürs Auge und passend zum Moped :-)



In Valberg haben wir uns dann kurz umgeschaut und uns dazu entschlossen hier ein Hotel zu nehmen. Das "Hôtel Le Blanche Neige" war für uns gut, wie immer haben wir auch dort ein Zweibettzimmer zum vernünftigen Preis bekommen. Nach dem Check in ging es in die "Les Terasse du Soleil" zum ersten "Panaché" des Tages, dazu gab es Crepès für den ersten kleinen Hunger. Am Abend gab es dann wieder einen leckeren Salat und Pizza, in einer weiteren Kneipe noch einen Absacker und dann ab in die Kiste.

Tag 4.

Es war auch wieder ein schöner Tag, am frühen Morgen lachte uns schon die Sonne an, so soll es sein. Auf dem Programm stand heute der Col de Cayole, aber leider war dieser wegen Bauarbeiten nur Mittags von 12.00 - 13.00 Uhr geöffnet was sich leider nicht mit unserem Fahrplan vereinbaren ließ. Also sind wir eben über den "Allos" gefahren. Das ist auch eine schöne Strecke, ich glaube fast es ist grad egal wo man hier herfährt, einfach immer toll! 

Zunächst ging es also über einen Col du Champs in Richtung Collmars, dann Richtung Allos. Eine wirkliche geniale Landschaft mit teils bizarren Aussehen. Sehr empfehlenswert!

Noch ein kurzes Stück vor Collmars kamen wir zur Rast an eiener Holzhütte, Espresso war mal wieder angesagt. Nur als Tipp: Die Hütte hat ein beheiztes Schlafzelt für bis zu 12 Personen....   wer mal abenteuerlich Übernachten möchte ;-)

Die Route brachte uns dann am Nachmittag nach Bourg d'Oisans wo wir das wohl witzigste Hotel für die Nacht gefunden haben. "De Milan" heißt der Laden und ich habe es genossen eine Unterkunft im 1940 oder so bekommen zu haben.
Es waren überall nur alte Dinge, Möbel, Uhren, alles alt. Ein Aufzug wie aus alten Hitchcock-Filmen, einfach nur abgefahren. Ich finde so was einfach klasse, es muss nicht alles neuester Standard sein damit man sich wohl fühlt. Daumen hoch, eine klare Empfehlung. Am Abend gab es noch ein leckeres Bierchen und Irgendwas mit Ente gegenüber beim Italiener....

Tag 5.

Der letzte Tag mit dem Mopped ist angebrochen, wenn alles gut geht werden wir heute problemlos wieder an unserem Starthotel ankommen. Der erste Anlaufort war Alpe d'Huez, ein bekannter Ski und Tour de France Ort. Hier gab es erst mal Frühstück in einem sehr schönen Indianerreservat, serviert von der Squaw des Hauses.

Weiter ging es nach Norden und wir kamen an den Lac de Grand Maison, ein Stausee mit einfach tollem Bild. Die Spiegelungen waren fantastisch und .... immer diese Ruhe. Oben am Col de Glandon haben wir dann eine weitere Pause eingelegt bevor wir weiter in Richtung "letzer Passvor der Ausfahrt" aufgebrochen sind. Der Col de la Madeleine stand noch auf dem Programm, das letze mal dass wir für eine gewisse Zeit die 2000 Meter erreichen werden.
Es ging weiter bis zur nächsten Rast in Notre-Dame-de-Bellecombe wo wir in einem netten Gasthaus unsere letzte Pause machten. Hier haben wir dann auch entschieden den verbleibenden letzten Tag welchen wir als Reserve eingeplant hatten nicht mehr zu nutzen.


Wahrscheinlich war unsere Kurvenlust einfach befriedigt, und wir waren beide der Meinung das uns eine Tour zum Genfer See oder so keine weiteren Eindrücke mehr vermitteln kann. 5 volle Tage ohne Regen, nicht ein blödes Tröpfchen, keine Panne, kein fieses Hotel oder so, keine Probleme....  wollten wir das aufs Spiel setzten?


NEIN!

So viel Glück hat man nicht alle Tage und so ließen wir es dann am Abend nach der Ankunft im Hotel du Bois auch gut sein. Den Abschluss haben wir mit einem Bier im Pool mit Blick auf den Mont Blanc eingeläutet bevor wir wieder völlig problemlos die Motorräder verladen haben und am Abend dann auch völlig zu recht ganz Müde ins Bett gefallen sind.

Die Rückfahrt war eigentlich auch wieder ganz entspannt. Leider, durch einen Freitag fast schon vorprogrammiert sind wir natürlich rund um Frankfurt in einen Stau gekommen, der hat uns dann auch mal locker 2 Stunden extra gekostet. Machte aber nix, wir waren voll mit Eindrücken unserer Tour und so ein Stau konnte uns nun wirklich nichts mehr anhaben.



Noch bin ich mir nicht ganz so sicher, aber ich glaube... es war nicht meine letzte Tour. Ich hoffe ich komme wieder einmal in den Genuss solche Tage zu erleben.

Das war sie dann, die Geschichte rund um meine Bilder der "Tour de France 2013"




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